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19.04.2016
Kindeswohl muss bei Inklusion im Mittelpunkt stehen
Die Umsetzung der Inklusion und die Integration von Flüchtlingen zählen aktuell zu den größten Herausforderungen der niedersächsischen Bildungspolitik. Diese Auffassung vertrat Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bei seinem Besuch in Oldenburg. Auf Einladung der CDU-Ratsfraktion bezog Seefried am Montagabend im Kulturzentrum PFL zu beiden Themen detailliert Position.
Anschließend nahm er die Gelegenheit wahr, mit Lehrern und Elternvertretern über konkrete Probleme und Aufgaben an den Schulen vor Ort zu diskutieren. „Die CDU in Niedersachsen spricht sich klar für Inklusion aus. Die Diskussion beginnt jedoch mit der Umsetzung“, sagte der 38-jährige Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Stade. Der im Jahr 2012 mit breitem Konsens beschlossene Paradigmenwechsel im Sinne eines Rechts auf Teilhabe für alle Schülerinnen und Schüler sei richtig und stehe nicht zur Debatte. „Inklusion ist jedoch ein Prozess, der nicht von heute auf morgen gelingt“, mahnte Seefried zu Geduld: „Es handelt sich um eine Generationenaufgabe, die allen Beteiligten viel abverlangt und bei der das Kindeswohl im Mittelpunkt stehen muss.“ Dazu sei es unabdingbar, die Wahlfreiheit für Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu erhalten. „Eine weitere Abschaffung von Förderschulen, wie von der rot-grünen Landesregierung einst beabsichtigt, muss ausgeschlossen werden“, forderte Seefried. Stattdessen plädierte er für eine „Inklusion von unten“, ausgehend von bedarfsgerechten Einrichtungen mit entsprechend ausgebildeten Lehrern. Daher warnte der schulpolitische Sprecher davor, bei der Umsetzung den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Zunächst müssten verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden: „Sonst besteht die große Gefahr,dass eine so wichtige gesellschaftliche Aufgabe wie die Inklusion scheitert. Das darf auf keinen Fall passieren.“ Von einer weiteren „Riesenaufgabe“ sprach Seefried mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen an den niedersächsischen Schulen. Dabei lobte er zunächst die vielen
Schulleiter und Ehrenamtlichen, die mit großem Einsatz vorangegangen seien. Gleichzeitig kritisierte Seefried die Versäumnisse der Landesregierung bei der Einstellung neuer Lehrer und forderte mehr Flexibilität bei der Zuweisung von Schulsozialarbeitern und Sprachpädagogen. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Die Zeit drängt“, sagte er und erntete Zustimmung bei seinen Zuhörern. „Auch wenn die Schulsozialarbeit mittlerweile zu Recht Landesaufgabe ist, dürfen sich die Kommunen nicht komplett daraus zurückziehen“, appellierte er.
Abschließend sprach sich Seefried dafür aus, dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen für Schulen zu schaffen und sie in Ruhe arbeiten zu lassen – auch über einzelne Legislaturperioden hinaus. „Herr Seefried hat heute Abend die Herausforderungen, vor denen unsere Schulen stehen, exakt auf den Punkt gebracht“, lobte Dr. Esther Niewerth-Baumann, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Oldenburg: „Wir haben eine sehr interessante und rege Diskussion erlebt.“